Wieso «Food not bombs»?

 

Food


Die Welt produziert genug Essen, um alle zu ernähren, wenn es gleich verteilt werden würde. Wir haben einen Überfluss an Essen. Tatsächlich wird in diesem Land (wie in allen westlichen Industrienationen) jeden Tag weit mehr Essen weggeworfen, als gebraucht wird, um diejenigen satt zu machen, die Nichts haben.


Mensch bedenke: bevor Essen auf den Tisch kommt, wird es von Bauer_Innen, Kooperativen, Fabrikant_Innen, Lieferant_Innen, Grossist_Innen und Detaillist_Innen produziert und bearbeitet. Einwandfrei essbare Lebensmittel werden bei jedem Schritt für eine Reihe von marktwirtschaftlichen Gründen weggeworfen. In einer durchschnittlichen Stadt sind etwa 10% des Festmülls Nahrungsmittel. Dies ergibt unglaubliche 21 Milliarden Kilogramm pro Jahr oder knapp unter 91 Kilogramm pro Kopf pro Jahr. Es gibt eindeutig einen Überfluss an essbarem Essen, das weggeworfen wird.


Um essbares Essen zu befreien und damit Menschen zu nähren, müssen drei Schlüsselelemente kombiniert werden: zuerst muss das Essen eingesammelt werden. Zweitens muss es in einer Form zubereitet werden, die für den Konsum angemessen ist. Drittens muss dieses Essen denen leicht zugänglich gemacht werden, die hungrig sind.


Der Grund, dass dies geschieht, ist kein Zufall. Unsere Gesellschaft baut darauf auf, sich Ressourcen zuzuführen, die anderen gewaltsam entzogen werden müssen. Gewaltausübung und Dominanz sind ihre Grundbausteine und es wird nicht nur weitgehend akzeptiert, sondern sogar gefordert, vom Leid und Schmerz anderer Lebewesen zu profitieren.

Heute hungern Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, mindestens ein Mal im Monat und mehr als 30 Millionen Menschen hungern regelmässig. Erstaunlicherweise sind weniger als 15% der Hungernden obdachlos. Darüber hinaus übersteigt die Hungerexplosion die Fähigkeiten sowohl privater, wie auch staatlicher bestehender sozialer Einrichtungen, dieses grundlegende Bedürfnis zu stillen.


Viele Menschen realisieren nicht, dass die Demographie der «Hungernden» sich dramatisch geändert hat. Während der letzten zehn Jahre wurden sie

  • jünger: 12,9 Millionen (40%) sind Kinder, die wahren Opfer dieser Tragödie

  • ärmer: 12,9 Millionen (40%) leben unter der Armutsgrenze. Die Schere öffnet sich während das Realeinkommen der unter vier Fünftel der Bevölkerung sinkt.

  • häufiger angestellt: 60% armer Familien beinhalten Arbeiter_Innen und die Zahl hungrig Arbeitender stieg von 1978 bis 1986 um 50%

  • eher weiblich: 50% der armen Familien werden von Müttern geführt.

  • unfähiger, ihre Armut zu bekämpfen


Eindeutig sind die meisten hungernden Menschen heutzutage nicht die stereotypen Strassenmenschen, wie sie in den Medien gerne dargestellt werden. Hungernde Menschen sind Kinder und Alleinerziehende (meist Frauen), die «Working Poor», die Arbeitslosen, die Betagten, die chronisch Kranken und diejenigen auf Sozialhilfe. All diese Menschen finden sich selbst in den Klauen erdrückender Armut wieder, sogar während sie versuchen, ihre Lage zu verbessern.


Zusätzlich zum Sammeln und Verteilen von überschüssigem Essen, um dazu beizutragen, dieses Problem zu lösen, fördert Food not bombs Veganismus. Dies hat eindeutige, praktische Gründe, aber auch politische Gründe: die fleischbasierte Ernährung unserer Gesellschaft sorgt für die Entstehung riesiger Agriwirtschaften und die Abhängigkeit von chemischen Düngemitteln und Pestiziden, was den Nährwert des Essens verringert und die Erde weiter zerstört. Fleisch aus Massenproduktion ist voller Chemikalien, Drogen, Wachstumshormone und Präservativen und Milch ist kontaminiert mit radioaktivem Niederschlag. Veganismus ist besser für die Gesundheit des Planeten und aller darauf lebenden Lebewesen, es ist ressourcensparender und entspricht am ehesten unserer natürlichen Lebensweise.


Praktisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit von nicht-tierischen Nahrungsmitteln, zu verderben, um ein vielfaches geringer und die entstehenden Gesundheitsrisiken beim Konsum verdorbener Nahrungsmittel sind weniger gravierend. Ausserdem entsteht durch das Bewusstsein über Veganismus eine gesunde, liebevolle innere Einstellung, die sich auf uns selbst, andere und den gesamten Planeten überträgt.

Deswegen ist all das Essen, das wir zubereiten, ausschliesslich pflanzlich, das heisst: kein Fleisch, keine Milchprodukte, keine Eier und auch kein Honig. Die Menschen wissen und vertrauen auf diesen Standard, wann immer sie zu Food not bombs kommen.


Not bombs


Es braucht Kreativität und Arbeit, um eine Welt ohne Bomben zu erschaffen. Food not bombs anerkennt seinen Teil als stärkende Kraft für Menschen an Demonstrationen und Events, sodass diese sich weiter im Langzeit-Kampf gegen Militarismus engagieren können. Wir machen auch das Überbringen unserer Nachricht an andere Bewegungen zu einem wichtigen Teil unserer Mission. Wir besuchen Veranstaltungen anderer Organisationen und unterstützen die Bildung von Bündnissen wo immer möglich. Wir arbeiten gegen die Perspektive von Verknappung, welche viele Menschen dazu bringt, Zusammenarbeit mit anderen Gruppen zu fürchten. Sie glauben, sie müssten auseinander bleiben, um ihre Ressourcen zu schonen, also versuchen wir, das Gefühl von Reichtum und die Erkenntnis, dass alle stärker werden, wenn wir zusammen arbeiten, zu fördern. Verschiedene Bewegungen haben verschiedene Visionen und Methoden, doch sie alle werden vom Glauben an eine Welt ohne Bomben und ohne Hunger angetrieben, sie alle haben ihre Berechtigung im Kampf für eine freie Welt.

Mit unserem Essen im Zentrum des Geschehens zu sein ist Teil unserer Vision. Manchmal organisieren wir die Veranstaltung, manchmal sorgen wir für das Essen an den Veranstaltungen anderer Gruppen. Entweder kann die Bewegung sich auf Nahrungsmittel von ausserhalb verlassen und so unter Umständen abhängig von nicht vertretbaren Betrieben werden, oder wir können für uns selbst sorgen. Es ist eindeutig die Position von Food not bombs, dass für unsere Grundbedürfnisse selber aufzukommen – und das auf eine Art, die die Bewegung umfassend unterstützt – weit bestärkender ist.


Denn die Revolution lässt sich nicht mit leerem Magen starten!


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